Interview – Auf Wachstumskurs mit datengetriebener Automatisierung

Interview mit Dr. Michael Müller-Wünsch, CIO der OTTO-Einzelgesellschaft, über den Erfolg mit Data-Driven Business

Dr. Michael Müller-Wünsch ist seit August 2015 CIO der OTTO-Einzelgesellschaft in Hamburg. Herr Müller-Wünsch studierte die Diplom-Studiengänge Informatik sowie BWL mit Schwerpunkt Controlling an der TU Berlin. In seinen Rollen als IT-Leiter und CIO wurde er mehrfach für seine Leistungen ausgezeichnet und gilt heute als eine der erfahrensten Führungskräfte mit explizitem Know-How in der Nutzung von Big Data für den eCommerce.
Dr. Müller-Wünsch nimmt als Speaker am 9. November am Data Leader Day 2017 in Berlin teil und präsentiert seine „Vision des datengetriebenen Echtzeitunternehmens“.

Benjamin Aunkofer: Herr Dr. Müller-Wünsch, der Nutzen von Big Data und Analytics wird oft nur als eigennütziges Mittel für Online-Händler angesehen. Wie machen Sie daraus eine Win-Win-Situation auch für Ihre Kunden?

Dr. Müller-Wünsch: Wir denken aus der IT heraus bis zum Konsumenten und haben den Anspruch, sein Einkaufserlebnis auf otto.de immer noch weiter zu verbessern. Das fängt ganz grundlegend damit an, dass die Artikel aus unseren Sortimenten schnell lieferbar sind. Wenn wir mithilfe von BI die Bestände bedarfsgerecht planen können, weil wir heute schon recht genau wissen, was die Kunden morgen bestellen werden – dann profitieren alle Seiten davon. Die Kundenzufriedenheit steigt, wir vermeiden Überhänge und schonen ganz nebenbei auch noch Ressourcen.

Benjamin Aunkofer: Viele Geschäftsführer und Vorstände zweifeln am Return on Investment und tun sich schwer, Vertrauen für Big Data Projekte zu gewinnen. Wurde vielleicht bisher zu viel geforscht und experimentiert, statt geschäftlicher Nutzen generiert?

Dr. Müller-Wünsch: Idealerweise experimentieren Sie mit dem ausdrücklichen Ziel, Nutzen zu generieren. Je konkreter und nachvollziehbarer der ist, desto leichter lassen sich auch die Investitionen verargumentieren. Ein Beispiel: Wir haben aktuell über 2 Millionen Artikelpositionen im Angebot auf otto.de, Tendenz steigend. Unsere Bestseller werden hundertfach von Kunden bewertet, die ihre Erfahrungen teilen. Nur hat natürlich niemand Lust, sich durch hunderte Produkt-Rezensionen zu lesen, wenn er auf der Suche nach der passenden Waschmaschine ist. Mithilfe von künstlicher Intelligenz clustern wir die Kommentare thematisch und sortieren sie nach Tonalität – sodass mit wenigen Klicks auf einen Blick sichtbar wird, wie einzelne Leistungskriterien wie beispielsweise die Waschleistung in Summe bewertet werden. Ein im E-Commerce bislang einzigartiges Feature, das unübersichtliche Informationen nutzbar macht und die Kaufentscheidung erleichtert.

Benjamin Aunkofer: Mit dem Ausrichten von OTTO auf eine entsprechende Datengetriebenheit und Automatisierung drehen Sie die Segel in Richtung Wachstumskurs. Dabei sprechen Sie auch von Skalierung. Wie erreichen Sie diese?

Dr. Müller-Wünsch: Wir wachsen bereits seit einigen Jahren profitabel und wollen die Geschwindigkeit nochmals spürbar erhöhen, indem wir uns als Plattform aufstellen und otto.de deutlich stärker als bisher für andere Marken und Partner öffnen. Damit wir diese neuen Volumina beispielsweise so schnell wie möglich anbinden können, setzen wir zunehmend auf automatisierte Prozesse. Bilderkennungsalgorithmen können uns beispielsweise dabei helfen, Artikeldetails aus Produktfotos auszulesen und die Beschreibungstexte damit anzureichern.

Benjamin Aunkofer: Dennoch gibt es Unternehmensbereiche, für die eine Automatisierung noch nicht vorstellbar ist und die Entscheidungskompetenz menschlicher Gehirne weiterhin unverzichtbar bleibt. Wie können Daten genutzt werden, um diese Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen?

Dr. Müller-Wünsch: In unseren Relation Centern sitzen erfahrene Mitarbeiter, die sich 24/7 persönlich um die Fragen und Bedürfnisse unserer Kunden kümmern und sie qualifiziert beraten. OTTO ist auf allen Kanälen ansprechbar – daran werden wir auch in Zeiten der Digitalisierung unbedingt festhalten. Hier nutzen wir Technologie, um die Kollegen im täglichen Kundenkontakt zu unterstützen: Beispielsweise mit der Ausspielung passender Alternativartikel, falls ein vom Kunden gewünschtes Produkt doch einmal ausverkauft sein sollte.

Verpassen Sie Herrn Dr. Müller-Wünsch nicht persönlich kennen zu lernen! Sie treffen ihn als Vortragenden am 9. November am Data Leader Day 2017 in Berlin und erfahren mehr über seine „Vision des datengetriebenen Echtzeitunternehmens“.

Über Connected Industry e.V.

Connected Industry e. V., der Verband für Digitalisierung und Vernetzung. Entsprechend seinem Wortlaut Connected Industry, befasst sich der Verband mit den Innovationsthemen Industrie 4.0, Smarte Produkte und Big Data und vernetzt Führungskräfte mit Digitalisierungsauftrag, insbesondere aus Anwender-Unternehmen aus den Branchenbereichen Industrie, Dienstleistungen und Handel.

 

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