Kurzinterview Thomas Hösle

Crailsheim, im August 2017
Kurzinterview Thomas Hösle, ELABO mit Connected Industry e.V.

Interview mit Thomas Hösle, Geschäftsführer der ELABO GmbH und Pionier im Bereich der Digitalisierung und Vernetzung im produzierenden Mittelstand. Herr Hösle referiert auf dem Data Leader Day am 09.11.2017 in Berlin über „die Herausforderungen der Digitalisierung im produzierenden Mittelstand“.

Benjamin Aunkofer: Welche Herausforderungen gibt es bei der Digitalisierung im produzierenden Gewerbe zu überwinden?

Die beiden grundsätzlichen Herausforderungen bestehen einerseits im Umstieg auf digitale Fertigungsverfahren und andererseits in der Erschließung neuer zukunftsträchtiger Geschäftsfelder sowie geeigneter Partner-Ökosysteme.

Beim ersten – nach innen gerichteten – Aspekt geht es um Prozess- bzw. Kostenoptimierungen durch die Verzahnung von Maschinen und Anlagen (OT) mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik (IT). Hier treffen nicht selten zwei bisher „fremde Welten“ aufeinander, die es intelligent zu koordinieren gilt.

Der zweite – nach außen gerichtete – Aspekt wird gerne in der einseitigen Auslegung der Digitalisierung als rein technologisches Thema übersehen. Die größte Herausforderung besteht meines Erachtens im Erkennen von Gefahren (Disruption) respektive in der Nutzung von Chancen, die sich durch den digitalen Wandel ergeben.

Es geht also einerseits um die Überprüfung bzw. Anpassung bisher erfolgreicher Geschäftsmodelle und um einen „Change im Mindset“ im Management. Hierunter verstehe ich die Einsicht, dass ein produzierendes Unternehmen als Einzelkämpfer künftig tendenziell auf verlorenem Posten steht, wenn es sich nicht intelligent in geeignete Partner-Öko-Systeme einbringt.

Benjamin Aunkofer: In wie weit hilft Ihnen dabei die sogenannte Digitale Agenda der Politik ?

Wie auf vielen anderen unternehmerischen Gebieten: wenig!

Die Politik soll einerseits ihre Hausaufgaben machen, die absolut verbesserungswürdige technische Infrastruktur in Deutschland – Stichwort schnelles Internet und Breitbandausbau – auf einen Stand zu bringen, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industrie-Standorts Deutschland würdig ist.

Andererseits soll die Politik – was ja in einigen Bundesländern intensiv betrieben wird – nicht müde werden, die Entscheidungsträger – vor allem bei KMU – zu sensibilisieren, den digitalen Wandel vor allem auch „vom Markt her zu denken“, also tradierte Geschäftsmodelle zu überdenken und wo erforderlich anzupassen.

Benjamin Aunkofer: Fehlt es derzeitig eher an Standards oder an innovativen technischen Lösungen ?

An technischen Lösungen bzw. an innovativen technologischen Ideen sehe ich keinen Mangel, vor allem auch nicht bei den KMU.

Was klar fehlt – übrigens ein deutlicher Standortnachteil z. B. gegenüber. Japan – sind unternehmensübergreifende Kommunikations-Standards. Vor diesem Hintergrund sind die vielfältigen Aktivitäten zur Etablierung eines verbindlichen Standards – z. B. OPC UA – sehr zu begrüßen, wo auch die Politik noch deutlich stärkeren Einfluss nehmen könnte.

Das größte Manko ist jedoch das grundsätzliche Verständnis des digitalen Wandels als technisches Thema. Selbst wenn wir die besten technischen Lösungen in unseren Fabriken umgesetzt und einen einheitlichen Standard etabliert hätten, aber andere Wettbewerber die Kundenbedürfnisse besser erkennen und abdecken, haben wir mit Zitronen gehandelt!

Benjamin Aunkofer: Ist die digital-gestützte Produktion eine neue Zuspitzung des Lean Managements oder dessen Substitution ?

Hier verweise ich gerne auf das Zitat von Herrn Thorsten Dirks, ehemaliger Präsident des Bitkom e.V.: „Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess“.

Anders gesagt: erst lean, dann digital, wobei durch die Digitalisierung von Prozessen auch lean-Effekte realisiert werden können, also ein Beitrag geleistet wird, Verschwendung in Produktionsunternehmen zu eliminieren.

Dies ist übrigens auch unser Ansatz beim Vertrieb unserer Industrie 4.0-Lösungen für den Mittelstand mit diskreter Produktion.

Wir nehmen – gemeinsam in Workshops mit Anwendern unserer Zielkunden und ggf. mit Unterstützung externer Berater (z. B. Lean Management-Experten) – bestehende Prozesse auf, um dann im zweiten Schritt zu definieren, welche quantifizierbaren Vorteile Unternehmen bei der Nutzung unserer Industrie 4.0-Lösung, dem SES-Ansatz von ELABO (SES = Shopfloor Execution System), realisieren kann.

Über ELABO GmbH:

Die ELABO GmbH (www.elabo.de) ist Fördermitglied des Verbandes Connected Industry und anerkannter Spezialist für intelligente Lösungen zur Gestaltung individueller Arbeitsplätze sowie Montage- und Prüfanlagen in der industriellen Serienfertigung. Elabo hat sich als kompetenter Partner – sowohl für Industrieadressen als auch für Bildungseinrichtungen (Schulen, Universitäten, Forschungseinrichtungen) – im Umfeld der digitalen Transformation (Industrie 4.0)etabliert.

Als Alleinstellungsmerkmal bietet ELABO seinen Kunden nicht nur die optimale Ausgestaltung von Arbeitsplätzen (z. B. nach funktionalen und ergonomischen Aspekten) und Montage-/Prüfanlagen (in unterschiedlichen Automatisierungsstufen) sondern auch die Digitalisierung und Optimierung von Arbeitsprozessen. Neben der langjährigen Kompetenz in Sachen Mechanik und Elektronik hat ELABO dank zahlreicher Kundenprojekte eine hervorragende Software-Expertise aufgebaut. Mit diesem Dreiklang ermöglicht es ELABO ihren Kunden, praxisnah mit bezahlbaren Lösungen bei der digitalen Transformation zu begleiten. Schwerpunkte liegen dabei auf der Beherrschung der weiter steigenden Komplexität dank Applikationen zur „Werkerführung“ und zum „Variantenmanagement“ sowie auf einer Datenmanage-ment-Lösung (ELABO Informations-Managementsystem) zur Sicherung und Steigerung der Qualität und Performance in Industrieunternehmen.

Über Connected Industry e.V.

Connected Industry (www.connected-industry.com), der Verband für Digitalisierung und Vernetzung, ist die Plattform und wichtiger Ansprechpartner rund um die Umsetzung von Digitalisierung & Industrie 4.0 in der betrieblichen Praxis. Der Verband bietet Zugang zu konkreten Anwendungsfällen und greifbaren Erfahrungswerten. Der Verband organisiert zudem den jährlichen Data Leader Day (www.dataleaderday.com) und veranstaltet exklusive Netzwerktreffen zwischen Führungskräften mit Digitalisierungsauftrag.

Connected Industry e. V.
Leipziger Straße 96-98
10117 Berlin

Tel: +49 30 2065 382 8
E-Mail: info@connected-industry.com

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